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Timesharing von Ferienwohnungen (IV)

Die vertragliche Ausgestaltung des Timesharings durch Swiss Travel Club

Die Vertragsgestaltung der unseriösen Timesharing-Anbieter ist absichtlich kompliziert und für Laien in ihrer rechtlichen Bedeutung undurchschaubar gehalten. Diese komplizierte Vertragsgestaltung hat einzig den Zweck, zwingendes EU-Recht zu umgehen, namentlich das Anzahlungsverbot.

Das Vertragsgeflecht besteht aus mindestens drei Verträgen:

1. Auftrag (Maklervertrag):

Zwischen dem Erwerber (Auftraggeber) und dem Swiss Travel Club (Auftragnehmer) besteht ein Auftragsverhältnis („Vermittlungsvertrag“).

Die Anzahlung („Aufwendungsersatz“) von in der Regel CHF 2'000.-- ist ein Verstoss gegen das Anzahlungsverbot und deshalb unzulässig.

Sollte der Auftrag durch den Erwerber gekündigt werden, so wird dem Erwerber eine Schlussabrechnung (Aufwendungsersatz) durch den Swiss Travel Club zugestellt, die etwa dem besagten Betrag entspricht. Die Forderung ist nicht nur unzulässig, sondern auch offensichtlich überhöht, denn es dürften nur effektive Kosten abgerechnet werden.

Bsp.: Der Erwerber kündigte die Verträge sofort nach der Unterzeichnung. Swiss Travel Club forderte in einer Schlussabrechnung CHF 2'015.--, obwohl gemäss Vertrag der Auflagenersatz maximal die Höhe der Anzahlung (CHF 2'000.--) erreichen darf. Der Betrag setzt sich wie folgt zusammen: CHF 658.-- (Geschäftsgebühr für Treuhänder), CHF 40.-- (Auslagenersatz für Treuhänder), CHF 120.-- (Allgemeine Werbungskosten), CHF 597,50 (Verwaltungsaufwand), CHF 112.-- (Internationale Korrespondenz), CHF 487,50 (Sonstiges: Alle Kosten inkl. Personal). Schon aus dieser Abrechnung – eine schlichte Frechheit – ist die unseriöse Geschäftsgebaren des  Swiss Travel Clubs ersichtlich.

2. Hinterlegungsvertrag

Zwischen dem Dipl. Kaufmann Peter Landisch, Ingolstadt (D), und dem Erwerber entsteht ein Hinterlegungsvertrag ("treuhänderische Hinterlegung eines Geldbetrages", "Verwahrauftrag für Geldabwicklung"). Landisch nimmt den Kaufpreis für das Timesharing-Recht entgegen und leitet den Betrag an die Verkäuferin (LTH-Resorts) weiter.

Gemäss dem Vertrag darf Landisch das Geld erst an der Verkäufer weiter leiten, wenn er von der  Verkäuferin die schriftliche Mitteilung erhalten hat, dass der Erwerber ein unbedingter Anspruch auf Übertragung des  Timesharing-Rechts gemäss dem Kaufvertrag zusteht. In einem Fall leitete Landisch das verwahrte Geld vorzeitig und somit vertragswidrig an die Verkäuferin weiter, weshalb er gerichtlich zur Rückzahlung an die Erwerber verpflichtet worden ist.


3. Timesharing-Vertrag

Zwischen dem Erwerber und der LTH-Resorts, Saalbach, kommt der eigentliche Timesharing-Vertrag („Vertrag über den Erwerb eines Ferienbesitzes“) zustande.
 
Der Vertrag ist unübersichtlich gestaltet und für einen Laien kaum verständlich.

Es handelt sich um ein vertragliches Timesharing, weshalb die Vertragsüberschrift („Erwerb eines Ferienbesitzes“) irreführend ist. Die Timesharing-Rechte werden im Übrigen durch Peter Landisch verwaltet.

Aus dem Vertrag sind für den Erwerber die effektiven Kosten nicht ersichtlich. Die Laufzeit des Vertrages beträgt fast 50 Jahre und endet im Jahr 2050. Eine solche lange Vertragsdauer ist rechtlich problematisch. Sie muss meines Erachtens als rechtlich unzulässig betrachtet werden, da das Timesharing nicht im Grundbuch eingetragen ist.


Schliesslich sind die Vertragsbedingungen für den Erwerber ganz ungünstig. Wenn der Erwerber die laufenden Kosten nach Fristansetzung nicht bezahlt, so löst die LTH-Resorts den Vertrag auf, wobei der Kaufpreis nicht zurückerstattet wird.

4. Option Wohnungstausch

Der Erwerber hat die Möglichkeit, mit der Tauschorganisation Resort Condominiums International (RCI) (www.rci.com), Grossbritannien, einen Vertrag über den Tausch von Timesharing-Rechten (Wohnungstausch) abzuschliessen. Neben einem Jahresbeitrag (CHF 124.--) wird pro getauschte Ferienwoche eine Gebühr von CHF 215.-- fällig.

Es ist davon auszugehen, dass jeder Erwerber mit RCI einen Tauschvertrag abschliessen wird.

Die vertragliche Ausgestaltung des Timesharings durch Viva Tours

Die Viva Tours arbeitet mit den gleichen Partnern wie der Swiss Travel Club zusammen. Der Hauptunterschied ist, dass das Vertragskonstrukt noch viel verwirrender gestaltet und noch mehr darauf ausgelegt ist, potenzielle Erwerber zu täuschen.

Statt der LTH-Resorts, die auch hier Eigentümerin des Timesharing-Objekts ist, tritt die Fort Gray Holdings Ltd. in Gibraltar als Verkäuferin auf. Dies ist eine reine Briefkastenfirma. Dass der Timesharing-Vertrag mit einer dubiosen Firma in Gibraltar geschlossen wird, dürfte kaum einem Erwerber beim Vertragsabschluss bewusst sein.

Lohnt sich Timesharing?

Timesharing lohnt sich – wirtschaftlich betrachtet – für die Erwerber nicht. Timesharing ist sehr teuer. Die Kosten sind so intransparent, dass der Erwerber die effektiven Kosten, die durch den Abschluss des Vertrages fällig werden, nur sehr schwer bestimmen kann. Ausserdem bindet sich der Erwerber auf Jahrzehnte, mit der Gefahr, das einmal einbezahlte Geld ganz zu verlieren. Es kommt wesentlich günstiger, eine normale Ferienwohnung zu mieten. Auch ist man hier viel flexibler, da man nicht auf Jahre an eine bestimmte Wohnung gekettet ist.

Frédéric Huber hat in einer HWV-Diplomarbeit berechnet, dass eine Woche Ferien in Österreich (inkl. Tauschmöglichkeit) mit Viva Tours CHF 1'812.--  kostet. Eine vergleichbare Ferienwohnung kostet dagegen nur CHF 627.-- für eine Woche.

Auch das gesellschaftliche Modell des grundsätzlichen seriösen Anbieters Hapimag AG in Baar ist sehr teuer – erstaunlicherweise noch teurer als Viva Tours – und deshalb auch nicht zu empfehlen. Die einmal erworbenen Hapimag-Aktien sind im Übrigen kaum mehr verkäuflich.  

© bm 12.11.2008

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